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„Democracy, Inclusion, Youth“ war das Motto der diesjährigen Konferenz des Weltverbandes der Nachbarschaftszentren :IFS -International Federation of Settlements and Neighborhoods

Vom 22.bis 27. Mai trafen sich ca. 100 Erwachsene und 75 jugendliche Teilnehmer in Stockholm bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 24 Grad.

In Vorträgen, Workshops und während Besuchstouren in Nachbarschafts-und Jugendeinrichtungen arbeiteten alle gemeinsam, wenn auch in unterschiedlichen Gruppen an spannenden Themen: Die Methode „Do It Yourself“ zum Beispiel, hierzulande eher in Heimhandwerkerkreisen  als Möglichkeit bekannt,  sich mit dem Hammer kräftig auf die Daumen zu hauen, ist in schwedischen Jugendeinrichtungen eine Methode, die jugendliche Punks entwickelt haben, um selbst zu bestimmen, was sie in den Jugendclubs treiben möchten.  Matthias Persson, Leiter eines Jugendclubs und früher selbst Punk berichtete mitreißend über diese Methode in der Jugendarbeit, die eher eine Lebenseinstellung sowohl der Jugendlichen als auch der erwachsenen Jugendarbeiter ist.  Der etwas sperrige Titel seines Vortrages: „Do it yourself – Subcultural as a Tool for Self-Empowerment.

Spannend war die Begrüßung der Teilnehmer durch Hilde Kraft, Leiterin des Jugendprojektes „Watch it“. Sie animierte die Zuhörer zum Mitmachen, indem sie uns Fragen stellte, die wir unserem Nachbarn beantworten sollten und schon waren wir mitten im Gespräch mit Menschen, die wir  nie vorher gesehen hatten.

Jan Buijze, Jugendleiter bei Doenja Dienstverlening, einer niederländischen Wohlfahrtsorganisation in Utrecht gab unter denm Titel „New Social Work in Holland – to Empowering Neighborhoods“ einen Überblick über die aktuelle Situation der Sozialarbeit in Holland, die sich momentan in einem kritischen Wandel befindet. Wandel heißt hier: Schaffen einer stadtweiten (Utrecht) Jugendorganisation, die  anstelle der freien Trägerorganisation die  dezentrale Jugendarbeit in den Bezirken koordiniert. Für die große Wohlfahrtsorganisation bedeutet dies einen herben Verlust eines Arbeitsfeldes. Was es für die Jugendlichen bedeutet, ist noch nicht klar.

In der anschließenden Workshop-Phase wählten die Teilnehmer einen von 10 Workshops zu den Themen:

  • Wie baue ich ein Nachbarschaftszentrum auf
  • Aufbau demokratischer Strukturen in der Kommune am Beispiel Venezuelas
  • Social Media in Nachbarschaftshäusern
  • Entwicklung von Nachhaltigkeit in der kommunalen, lokalen Arbeit
  • Social Enterprise – soziales Unternehmertum
  • Inklusion
  • Aufbau einer IFS Euro Group

Innerhalb des Workshops „Working with All Ages“ stellten Patrick Pesch und Kirsten Bahr die Arbeit des Nachbarschaftszentrums ufafabrik mit seinen vielfältigen generationenübergreifenden Angeboten vor.

Als wunderschön und nachahmenswert lernten wir den „Lebenden Adventskalender“ kennen: Das Nachbarschaftshaus Olofs Garten, ein idyllischer Ort mitten in der Stadt, mit einem wundervollen Innenhof und herzlichen Menschen, organisiert in der Zeit vom 1. bis 24. Dezember jeden Jahres Folgendes: An jedem einzelnen Tag öffnet sich ein Fenster in den Häusern der Nachbarschaft. In jedem dieser Fenster erscheint ein Mensch und liest ein Gedicht, singt ein Lied, spielt auf der Gitarre, bläst Posaune oder, oder … Hunderte von Menschen aus der Nachbarschaft lauschen diesen Darbietungen und es herrscht eine wundervolle adventliche Stimmung.

Viele Einrichtungen in Stockholm vermittelten den Konferenzteilnehmern  einen Eindruck der schwedischen Nachbarschafts- und Jugendarbeit.  Spannende und anregende Gespräche zwischen Mitarbeitern, Nutzern und uns Besuchern dieser Einrichtungen führten zu Ideen gemeinsame Projekte zu entwickeln und internationale Begegnungen zu organisieren.

Am Abend des ersten Konferenztages waren wir zu Gast in der beeindruckenden „City Hall“ von Stockholm.  Die Präsidentin des Schwedischen Parlaments begrüßte alle Teilnehmer der Konferenz und nahm sich viel Zeit für persönliche Gespräche.

Mit diesem kurzen Einblick in die Konferenz schließe ich und freue mich auf den Mai 2014.

Dann findet die nächste IFS Konferenz statt: in Vancouver, Kanada.

Mehr Informationen: renatewilkening@nusz.de

Renate Wilkening