Fachkräfteaustausch zwischen Berlin und Israel

Alle Jahre wieder…

Im Herbst dieses Jahres fand der jährliche Führungskräfteaustausch zwischen Berlin und Israel statt. Renate Wilkening begrüßte in ihrer Doppelfunktion als Geschäftsführerin des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufaFabrik und als Vize Präsidentin Europa der International Federation of Settlements and Neighborhood Centers die Gäste im Café Olé der ufaFabrik.

Die Teilnehmer/Innen nutzten die Woche, um die deutschen Arbeitsmethoden, in Nachbarschaftszentren, die soziale Arbeit und die Gemeinwesenarbeit in Berlin kennen zu lernen und mit ihrer Arbeit in Israel zu vergleichen. 

Am Vormittag des ersten Tages wurde die Delegation von der Ehrenamtskoordinatorin und den Ehrenamtlichen des NUSZ begrüßt.

Nach der Einführung in das deutsche Ehrenamt berichteten die Freiwilligen über ihre Tätigkeiten und die eigene Motivation sich sozial zu engagieren. Anschließend tauschten die Teilnehmer/Innen ihre Erfahrungen aus, entdeckten Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Ehrenamtsarbeit. Ein Einblick in die Arbeit des Jugend- und Kulturzentrums „Spirale“, das die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, sorgte für reichlich Inspiration für die Arbeit in der fernen Heimat.

Der zweite Tag begann mit einer Führung durch den Bundestag. Es folgte ein Besuch in die Berliner Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder. Dort wurden die Gäste von drei Betroffenen und dem Koordinator begrüßt. Die fachliche Arbeit der Beratungsstelle wurde dargestellt und die ehemaligen Heimkinder berichteten über ihre traumatischen Erfahrungen in Heimen der BRD. „Die Beratungsstelle informiert Betroffene, die in Heimen der DDR/BRD Unrecht und Leid erfahren haben über den Fonds-Heimerziehung und entwickelt spezielle Angebote für sie.“ (www.abeh-berlin.de)

Gegen späten Nachmittag lud das „PallasT“ Jugend- und Kulturhaus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum gemeinsamen Musizieren im Kachonprojekt und zum Kennen lernen des israelisch/palästinensischen Falafel Theaters.

Am dritten Tag fuhr die Gruppe in den Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg.

Der Besuch des ehemaligen jüdischen Kinderheimes, das nun unter anderem die „Moskito“ Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt beherbergt, beeindruckte die Delegation sehr, da sie noch nie zuvor von einer derartigen Institution gegen Rechtsextremismus gehört hatten.

Bei der Besichtigung der „Stolpersteine“ begegnete die Delegation zufällig einer Professorin, die seit Jahrzehnten in der deutsch-israelischen Arbeit aktiv ist.
Sie informierte kurz über ihre Aktivitäten.

Eine Führung durch das jüdische Museum war der letzte Programmpunkt des Tages.

Im Kidöb (Treffpunkt, Beratung und Kurse für Frauen aus der Türkei) startete die Gruppe in den vierten Programmtag. Eine der beiden Leiterinnen stellte die Entstehung der Beratungsstelle vor und referierte über die Migrationssozialarbeit in Deutschland. Die israelischen Leitungskräfte präsentierten daraufhin ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke in der Arbeit mit Migrant/Innen. Der Ort, an dem John F. Kennedy seine unvergessliche Rede an das geteilte Berlin hielt, war der letzte Besichtigungspunkt an diesem Tag.

Das „Campus System“ der Offenen Ganztagsbetreuung Schulburg stand am fünften Programmtag auf der Tagesplanung. „In der Einrichtung gehen Schulisches Lernen und individuelle Förderung Hand in Hand mit Entspannung und Freizeitspaß. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Gastdozenten erweitern das Freizeitangebot.“ (www.nusz.de)
Für unsere internationalen Gäste immer wieder ein ganz besonderes „Highlight“.

Am Nachmittag führte es die Gruppe ins Nachbarschafsheim Schöneberg, um die Arbeit mit Ehrenamtlichen kennen zu lernen.

Gegen Abend besuchte die Delegation die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „Boseclub“. „Der Club ist ein Treffpunkt mit vielfältigen Angeboten für Kinder  und Jugendliche und auch ein Ort der Begegnung und des Austausches für  Eltern und Nachbarn.“ (ebd.) In der Einrichtung wurde die Delegation von  Vertreter/Innen der Zeitzeugenbörse erwartet. Eine Berliner Zeitzeugin sprach  über ihre Erlebnisse als Jüdin im Nationalsozialismus. Dies geschah zum ersten  Mal vor israelischen Gästen. „Die Zeitzeugenbörse fördert den Austausch  zwischen den Generationen und schafft eine Öffentlichkeit für persönliche  Erinnerungen. Diese Zeitzeugnisse sind von unschätzbarem Wert für das  kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft.“ (www.zeitzeugenboerse.de)

Danach ging es zu Fuß ins Ufa Gästehaus, um den Sabbat bei sehr leckerem Essen, das  zwei Teilnehmer für die Gruppe gekocht hatten, zu zelebrieren. Am Samstag empfing der  Gemeinwesenverein Heerstr. die Israelis in seinen Räumlichkeiten, wo die Veranstaltung  „Tanz der Kulturen“ die Gruppe mit einem Hebräischen Song beeindruckte. Beim koscheren  Abschlussdinner, Tanz und Gesang verabschiedete Renate Wilkening die Delegation mit  den Worten „Sie kamen als Fremde und gehen als Freunde“. Sonntagabend reiste die  Gruppe ab, nutze jedoch noch den Tag um das Haus der Wannseekonferenz zu besuchen.

Ein gut durch strukturiertes Programm und die Weltoffenheit der am Projekt beteiligten  Fachkräfte waren wichtig für den erfolgreichen Verlauf.

Die Mitwirkenden haben durch den Austausch eine neue Kultur, die israelische Arbeit und die religiösen Ansichten und Feste kennen und schätzen gelernt.

Vom 18. bis 25. November 2012 war die Rückbegegnung zu der Thematik: "Leben mit Konflikten" in „Tel Aviv“ geplant und wurde aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Israel in den März verschoben.

Das Thema betrifft grundsätzliche Fragestellungen der sozialen Arbeit, schließt aber auch  eine Auseinandersetzung mit der komplizierten demographischen, kulturellen und  politischen Situation in Israel und dem Nahen Osten mit ein.

Der Fachkräfteaustausch wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit Geldern des Kinder- und Jugendplanes des Bundes gefördert.

Für das gelungene Projekt bedanken wir uns bei allen Projektbeteiligten.