Kongress "La fabrique des possibles" und IFS Vorstandssitzung in Lyon vom 20.-25.06.2013

"Bienvenue à Lyon!" hieß es dieses Jahr auf der Vorstandssitzung unseres internationalen Verbandes IFS (International Federation of Settlements and Neighborhood Centers). Und willkommen fühlte man sich in dieser wunderschönen Stadt im Südosten Frankreichs allemal. Lyon ist neben seiner beeindruckenden Geschichte (sie wurde 43 v. Chr. von den Römern gegründet) auch für die feine Küche, die Seidenweberei und den Dreh des ersten Films der Welt bekannt.

Natürlich war aber nicht die Stadt der Grund des Besuches, sondern die alljährliche IFS Vorstandssitzung, die dieses Mal an den 8. nationalen Kongress des "Fédération des Centres sociaux et Socioculturels de France" (FCSF) geknüpft war. Die Fabrik des Möglichen hieß das Motto des Kongresses, der einen wichtigen Stand in der Geschichte der sozialen Zentren in Frankreich innehat und ein Meilenstein der historischen Entwicklung des französischen Verbandes FCSF ist. Der FCSF, der 1922 gegründet wurde, umfasst heute über 1.000 Mitglieder in ganz Frankreich und ist seit einiger Zeit wieder Mitglied im IFS. Die IFS Vorstandmitglieder waren beeindruckt von der organisatorischen Meisterleistung des Kongresses ihres französischen IFS Mitglieds. Drei Tage lang beschäftigen sich über 3.000 Teilnehmer in Workshops, verschiedenen Foren und hitzigen Diskussionen mit den zentralen Themen der sozialen Arbeit in Frankreich. Trotz der sprachlichen Barrieren, die man als Nicht-Französischsprachiger hatte, fühlte man die positive und lösungsorientierte Aufbruchsstimmung bei den Teilnehmenden. Der FCSF ist zwar ein Verband, sieht sich aber mehr als eine soziale und politische Bewegung, was man während des Kongresses bei vielen Teilnehmern gespürt hat. Besonders in den Plenarsitzungen am Vormittag zeigten sich die rund 3.000 Sozialarbeiter geschlossen und hoch motiviert, den sozialen Problemen in Frankreich entgegenzuwirken.

Begleitet wurde der dreitägige Kongress von einem amüsanten Kulturprogramm mit der Fête de la Musique am Freitagabend, diversen Animationen während der Kongresspausen sowie einem beeindruckenden Theaterstück am Samstag. Die gastronomische Herausforderung wurde mit einem Gala- Menü für 3.000 Menschen und einem beeindruckenden Picknick als Abschlussveranstaltung perfekt gemeistert. Für den Erfolg des Kongresse sorgten vor allem die über 500 freiwilligen Helfer, die mit guter Laune und bunten Neonwesten den Weg durch den Konferenzdschungel zeigten.

Nach den drei sehr intensiven Konferenztagen, ging es Montag und Dienstag mit der Vorstandssitzung weiter. Am Montag ging es dabei um die Themen Finanzen und Mitglieder. Nachmittags gab es eine sehr interessante Führung durch ein soziales Zentrum im Herzen von Lyon und eine kurze Einführung in den Aufbau und die Finanzierung von sozialen Zentren in Frankreich. Statt vielen unterschiedlichen sozialen Anbietern gibt es in Frankreich nur die sozialen Zentren, die sich nicht im Wettbewerb miteinander befinden. Sie sind bedarfsorientiert und dürfen z.B. nur Angebote anbieten, die in der Gegend gebraucht und noch von keinem anderen sozialen Zentrum angeboten werden.
Am Dienstag ging es in der Vorstandssitzung hauptsächlich um IFS Europa, ein Modell für die regionale Stärkung des IFS. Nach einem kurzen Bericht des IFS Europa Büros, das sich in Berlin um die Vernetzung und Verbreitung des IFS in Europa kümmert, diskutierte der Vorstand über weitere Schritte und Strategien, wie man den IFS in Europa, aber auch weltweit stärken könne. Ein wichtiger Punkt ist ein gemeinsames Thema, an dem alle Mitglieder des IFS ein Jahr lang arbeiten und zu dem es Projekte und Veranstaltungen gibt, so wird das Wirken und Handeln vom IFS besser sichtbar und messbar. Zudem ist es wichtig, den IFS regelmäßig in der UN in New York, aber auch in Genf zu präsentieren. Oberstes Ziel ist es aber, den IFS bekannter zu machen und mehr Mitglieder zu bewerben, damit der IFS zu einer globalen Bewegung wird, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt.

Bereits am Abend reisten die ersten Vorstandsmitglieder nach Hause. Im Gepäck viele Eindrücke, die es erst zu verarbeiten gilt, neue Ideen und Inspirationen sowie die große Vorfreude auf das nächste Wiedersehen in Vancouver 2014. Au revoir et à bientôt!